Vor 18 Jahren wurden Halim Dener erschossen

Halim Dener / Foto: indymediaAnfang der 1990er Jahre eskalierte der Krieg des türkischen Staates gegen die kurdische Bevölkerung. Unter dem Vorwand der „Terrorismusbekämpfung“ wurden 4.000 Dörfer zerstört, das Vieh getötet, Felder und Wälder verbrannt, die Bewohner_innen vertrieben oder verhaftet und gefoltert. Die Zahl der Morde durch „unbekannte Täter“ aus dieser Zeit beziffern Menschenrechtsorganisationen auf rund 17.000. Immer wieder werden verscharrte Leichen entdeckt oder getötete und in Brunnen geworfene Menschen geborgen.

Wie stark die traditionell guten deutsch-türkischen Beziehungen waren, zeigten die umfangreichen Waffengeschenke aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der ehemaligen DDR an die türkische Armee, eine mediale Kampagne gegen die Arbeiterpartei Kurdistans PKK in der Türkei und in Deutschland, die faktische Abschaffung des Asylrechts und das Betätigungsverbot der PKK im Jahre 1993.

Das war die politische Situation, in der Halim Dener, ein 16jähriger kurdischer Jugendlicher, in Hannover in der Nacht zum 29. Juni 1994 beim Kleben von Plakaten mit dem Aufdruck der verbotenen „Nationale Befreiungsfront Kurdistan“ (ERNK), von bewaffneten Polizeibeamten in zivil überrascht und beim Weglaufen durch einen Schuss in den Rücken getötet wurde.

Tausende Menschen beteiligten sich wenige Tage später an einem Trauermarsch. Der damalige Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg (SPD) drückte in einer Grußadresse sein tiefes Bedauern über die Erschießung von Halim Dener aus.

Der Prozess gegen den Polizeibeamten Klaus T. wegen „fahrlässiger Tötung“, der am 8. Mai 1996 vor dem Landgericht Hannover begann, endete am 27. Juni 1997 mit einem Freispruch: Dem Polizisten soll die Waffe beim Gerangel aus dem Halfter gefallen sein und dabei habe sich der Schuss gelöst. Das Urteil stieß auf massive Kritik von Bürger- und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International.

Mitte der 1990er Jahre gab es eine gigantische Repressionswelle gegen kurdische Organisationen in der BRD.

Heute wird es eine Gedenkkundgebung in Hannover geben. Trefpunkt um 17 Uhr auf dem Opern­platz in Han­no­ver.

Mehr zu Halim Dehner bei der Informationsstelle Kurdistan. Mehr Informationen zur Repression gegen die kurdische Bewegung auf der Homepage von AZADÎ.

Auch heute noch werden die Aktionen linker kurdischer AktivistInnen mit dem Vorwurf gegen das PKK Verbot zu verstoßen, kriminalisiert und verfolgt. Informationen darüber, wie sich das auf Demostrationen auswirkt, gibt der Text „Fah­nen, Sym­bo­le, Pa­ro­len und das PKK-​Ver­bot“. Das folgende Video wurde im November 2011 auf einer Demo gegen Faschismus und PKK Verbot aufgenommen: