[10 Jahre Rote Hilfe Hannover] Politische Justiz in der BRD

Lesung und Diskussion mit Heinrich Hannover
Heinrich Hannover ist nicht nur ein bekannter und ganz hervorragender Erzähler von Kindergeschichten. Er ist auch Strafverteidiger. Er war in den Jahren der Bonner Republik einer der bekanntesten Rechtsanwälte in politischen Prozessen – die es bekanntlich bei uns nie gab.

[10 Jahre Rote Hilfe Hannover] Politische Justiz in der BRDDie Verfahren, in denen er verteidigt hat, spiegeln nicht nur ein Stück Justizgeschichte, sondern politischer Geschichte der Bundesrepublik Deutschland überhaupt wieder. Seit Anfang der 1950er musste Heinrich Hannover sich mit dem offenen Antikommunismus der wieder in Amt und Würden gekommenen ehemaligen nationalsozialistischen Beamten herumschlagen. Auswirkungen dieses Kapitels der deutschen Geschichte begleiteten ihn bis zum Schluß, als er beteiligt war an dem Versuch der Wiederaufnahme des Verfahrens von Carl von Ossietzky und dem Prozess um den Mord an Ernst Thälmann. In beiden Fällen musste er eine Niederlage einstecken. Im Fall Ossietzky wies der Bundesgerichtshof nicht nur aus formellen Gründen das Wiederaufnahmeverfahren zurück, sondern bezeichnete in der Entscheidungsbegründung das Urteil des Reichsgerichts von 1931 obendrein als in der Sache vertretbar.
Einer seiner letzten Mandanten war im Jahr 1993 Hans Modrow, der letzte SED-Regierungschef der DDR. Dazwischen lagen neben vielen anderen die Prozesse gegen Angehörige der Außerparlamentarischen Opposition, gegen mutmaßliche Mitglieder der Roten Armee Fraktion, und nicht zuletzt gegen Kriegsdienstverweigerer. Der Erfolg in den letzteren kostete die BRD „einen kleinen Panzer“, wie er sagt.
Neben seinem anwaltlichen Engagement schrieb er Bücher, u.a. über die Justiz der Weimarer Republik und aus eigener Erfahrung über die der Bonner Republik.
Die Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen e.V ehrte den Rechtsanwalt Heinrich Hannover mit dem Hans-Litten-Preis.

In Kooperation mit dem Hans Litten Archiv, dem Annabee Buchladen, der VVN-BdA im Kino im Sprengel.